Hallo neue Lebensphase: Yoga Lehrerin in Ausbildung

Wie ich hier angekommen bin

Yoga Lehrerin in Ausbildung

“Warum machst du keine Yoga-Ausbildung?” 

Ich weiß nicht wie oft ich diese Frage in den letzten 10 Jahren gehört habe und immer abgetan habe, weil ich dachte “Ich bin nicht gut genug” oder “Was soll ich mit einer Yoga-Ausbildung”?

Ich bin ja mit 18 eher aus einem Zufall zum Yoga gekommen: Ich bin zu spät zu meiner Step-Aerobic Klasse im Fitness-Studio gekommen, wollte nicht an den Geräten trainieren und habe mir einfach gedacht ich lasse mich einfach bei Yoga nieder. Das ist heute 20 Jahre her und damals erlebte ich die Klasse als äußerst befremdlich – so wie man einfach Mantras als 18-jährige in den 90gern so erlebt hat. Nach dieser ersten Klasse, bei der ich zwar nicht begeistert war, aber spürte, dass es mir hilft, startete eine On-Off Beziehung mit Yoga, die bis Anfang des Jahres auch anhielt. Im Klartext hieß das: Immer dann, wenn ich verzweifelt war und das Leben mir eine Watsche gegeben hat ( mit Schicksalsschlägen, Krankheiten ,Tod, Erfahrungen,usw.), habe ich Yogis aufgesucht und mich einigen Wochen oder Monaten dem Yoga gewidmet. Und immer war es so, dass ich aus der körperlichen Ebene auch eine geistige Ebene fand in der ich viel über das Leben und das Mensch-Sein gelernt habe und gestärkt aus diesem Schmerz wieder herauskam. Wenn ich Yoga praktiziere, bin ich wachsamer, gehe offener mit meiner Umwelt um, bin gelassener und nehme dadurch auch viel mehr wahr. 

Doch bei mir hielt dieser Zustand der Achtsamkeit und des Gewahr-Seins nie lange an, bzw. ich erlaubte mir nicht lange da dabei zu sein. Sobald die Verzweiflung und der Schmerz erträglich wurde, begann ich wieder im Hamsterrad des Lebens zu laufen, Yoga zu vergessen und mich dem Alltag im Außen zu widmen – bis zur nächsten Lebens-Challenge. Irgendwie machte mir der Zustand des Gleichgewichts, zu dem ich mich durch Yoga näherte, einfach Angst : Als ob es zu gut wäre um wahr zu sein oder das Leben doch nicht einfach in die Nähe einer Balance geraten dürfte. Was vielleicht damit zu tun hat, dass mein Leben früher immer einer unendlichen Hochschaubahnfahrt glich. 

Bis die nächste Watsche und der nächste Schmerz kam. Ich weiß nicht wie das bei anderen ist, aber bei mir kommt diese Watsche immer dann, wenn ich komplett unvorbereitet bin oder um mir zu zeigen, dass ich mich falsch vorbereitet habe oder ich es vielleicht nicht mal konnte. 

Auf das, was im Jänner auf mich zukam, konnte ich mich nicht nur nicht vorbereiten, sondern ich hatte es komplett unterschätzt und überspielt. Nach wochenlanger Therapie und Versuchen im Kinderwunschzentrum und 8 Wochen Glückseligkeit, hat man uns offenbart, dass das Herz des kleinen Wurms in meinem Bauch nicht mehr schlug. Obwohl ich wirklich versucht habe diese gesamte Kinderwunschklinik-Thematik (darüber werde ich noch den einen oder anderen Artikel schreiben) mit viel Lockerheit und Positivität zu nehmen, brach dann plötzlich doch alles in mir Zusammen.  In mir hat sich eine Ohnmacht breitgemacht, die mich nicht geschmerzt, sondern gequält hat. Als ob der Schmerz nicht kommen dürfte, sondern ich in diesem Ohnmachtsgefühl für immer stecken bleiben würde. Es war als, ob der gesamte Tag in einem Schleier an mir vorbeiziehen würde – es war (wie) eine Depression. Dank, meiner Erfahrung mit Depressionen wusste ich, dass ich eine Lösung brauchte, in der ich mich selbst herausziehen kann. Wo ich mich zwinge etwas zu tun, das mir den Raum schafft, in dem ich mich um mich kümmern kann. Ich habe mich auf die Suche begeben nach etwas wo ich loslassen kann und das was ist umarmen kann, um dieses Ohnmachtsgefühl loslassen zu können und den Schmerz zuzulassen und das, was da gerade in mir passiert war zu verdauen. 

Und da kam erstmals in mir der Gedanke  auf  “Warum machst du keine Yoga-Ausbildung?” Und plötzlich machte es endlich mal Sinn und fühlte sich wie die Antwort, auf die ich gewartet habe, an. Obwohl ich nie zuvor eine Ausbildung im Internet gefunden habe die unter der Woche und in Österreich stattfand, habe ich plötzlich eine solche Ausbildung gefunden, mich angemeldet und seitdem gehöre ich zu den “Yogalehrern in Ausbildung”. Dank Corona wird meine Ausbildung nicht 6 Monate, sondern fast 1 Jahr dauern. Ich mache seit 3 Monaten täglich Yoga, studiere die Yogaphilosophie, übe Asanas, lerne Mudras und Mantras kennen. Ich habe losgelassen, zugelassen und bin achtsamer und mehr gewahr als je zuvor. Die Ohnmacht ist weg, der Schleier vergangen und ganz viel Klarheit ist dafür da. Und ich werde Tag für Tag ein anderer Mensch, als ob ich mich wiederfinden würde nach einer Ewigkeit.

Diese Reise zu mir, zur inneren Freiheit (wenn das überhaupt für mich erreichbar ist), ist anstrengend, gleichzeitig unfassbar schön und erfüllt mich mit viel Freude und macht es mir möglich alles anderen Wege, die ich gehen möchte auch achtsamer und reflektiertet zu gehen. Es gibt mir außerdem das Gefühl : egal, was noch kommt, einen Weg zu kennen, der mir helfen wird in meinem Gleichgewicht zu bleiben.

Das Leben leitet uns. Manche Dinge, die uns passieren, sind in den Momenten unerträglich, aber wir kommen damit zurecht und wir wachsen daran. Und während man wächst, öffnet man sich zu anderen Dingen, die man gar nicht so wahrgenommen hat. Wir kommen an, wenn wir ankommen müssen, nicht? 

Ich bin erst mal angekommen – als Yoga Lehrerin in Ausbildung und werde euch die nächsten Monate auf dieser Reise rund um Asanas, Meditation, Philosophie, Mantras, Ernährung, Heilung und mehr mitnehmen.

Namaste

Yoga Lehrerin in Ausbildung